Sabrina Böcking

Besuch im Frauenhaus

Eine sichere Finanzierung muss her!

Am 31.8.2018 war ich zu Gast in einem Frauenhaus irgendwo in Bayern. Ein wirklich beeindruckender Besuch. Die Leiterin erzählte mir, dass sie mit zwei Sozialpädagoginnen in Teilzeit (zusammen 1,25 Stellen) sechs Frauen und ihre Kinder betreuen. Dazu kommt eine 0,25 Erzieherstelle. Klingt wenig, ist es auch. Die Frauen, von denen manche schwer traumatisiert sind, wenden sich per Notfalltelefonnummer ans Frauenhaus. Außerhalb der Arbeitszeiten der Pädagoginnen übernehmen Ehrenamtliche den Telefondienst - nachts und am Wochenende. Untergebracht sind die Frauen in Zimmern, die nach Jugendherberge aussehen, und teilen sich Sanitäranlagen, Küche, Balkon und Waschmaschine. Ich darf mir alles ansehen, da die Leiterin meinen Besuch vorher mit den Frauen besprochen hat. Fremde dürfen normalerweise nicht reinkommen, kommt das doch einmal vor, wird das vorher angekündigt. Das gibt den Frauen ein Gefühl von Sicherheit. 

Früher waren die meisten Frauen, die sich ans Frauenhaus wenden, etwa Mitte 30. Der Altersschnitt ist inzwischen gesunken, sodass die meisten Frauen nur noch Mitte 20 bis 30 Jahre alt sind. Das ist ein gutes Zeichen: Viele Frauen lassen sich psychische und physische Gewalt in einer Beziehung nicht mehr so lange gefallen. Im Schnitt bleiben die Frauen etwa 120 Tage im Frauenhaus. In dieser Zeit werden sie intensiv betreut und ihnen wird bei der Entscheidung geholfen, wie es weitergehen soll. 

Doch das ist nicht das einzige, was das Frauenhaus leistet. Ehemalige Bewohnerinnen kommen regelmäßig zu Gruppengesprächen zusammen. Außerdem haben Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern pädagogische Konzepte ausgearbeitet, mit denen sie an Schulen Präventionsarbeit leisten. Sie halten Schulstunden ab und sensibilisieren die Jugendlichen für das Thema häusliche Gewalt. Das Erschreckende daran: Bei jeder dieser Einheiten gibt es Jugendliche, die über eigene Erfahrungen mit Gewalt berichten - sei es seitens der Eltern oder Verwandten oder seitens des ersten Freundes. 

Die Arbeit der Frauenhäuser ist also elementar wichtig. Doch das schlägt sich politisch nicht nieder. Die Finanzierung steht auf einigermaßen wackligen Beinen. Die Kommune finanziert den Hauptteil, der soziale Träger (AWO, Caritas, kirchliche Träger) finanziert etwa 10%, ein kleiner Anteil kommt vom Freistaat, vieles aus Spenden. Jedes Jahr muss die Finanzierung neu beantragt werden, obwohl der Bedarf unumstritten ist. Im Gegenteil, es gibt viel zu wenig Plätze. Jede Woche müssen Frauen abgewiesen werden. Es gibt also Frauen, die den Mut finden, sich endlich zu wehren und vor ihrem gewalttätigen Partner zu fliehen, und dann kann ihnen nicht sofort geholfen werden. Das ist nicht meine Vorstellung von einer Gesellschaft, die Menschen hilft, denen Gewalt angetan wird. 

Deshalb muss dringend folgendes getan werden:

1. Eine dauerhafte Finanzierung etabliert werden, bei der auch der Freistaat mehr zahlt

2. Eine Prüfung des Bedarfs an Plätzen durchgeführt werden. Die letzte ist noch aus den 90er Jahren.

3. Mehr Plätze müssen geschaffen werden.

Lassen Sie uns Frauen stärken und schützen.